

entwickelt, um den mannigfaltigen und komplexen An-
forderungen eines modernen, zukunftsweisenden Wis-
senschaftsmuseums gerecht zu werden. Gleichzeitig arbei-
teten die Architekten am äußeren Erscheinungsbild, dem eine
ganz besondere Bedeutung zukommt: Die Fassade soll dem
Museum auf der einen Seite ein ansprechendes »Gesicht« ver-
leihen, das es nach außen hin als Museum erkennbar macht
und das zum Besuch einlädt. Auf der anderen Seite soll sie
sich harmonisch mit dem einzigartigen Barockensemble des
Nymphenburger Schlosses verbinden. Der Wettbewerbsent-
wurf (2014) hat die grundsätzlichen städtebaulichen und
architektonischen Rahmenbedingungen wie die Fortsetzung
der Erschließungslogik des Schlosses, die mögliche Anbin-
dung an den Botanischen Garten und die Adressbildung fest-
gelegt und die Dachform und Abmessungen des Gebäudes
bestimmt; in den weiteren Planungsschritten werden nun
in Abstimmung mit allen Beteiligten die Grundrisse und
Fassaden entwickelt.
Im September 2017 haben die architektonischen Pläne einen
ersten Entwicklungsstand erreicht und wurden der Öffent-
lichkeit vorgestellt. Bei der Weiterentwicklung haben Staab
Architekten unter Einbeziehung der Anmerkungen des
Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Themen wie
Gliederung und Rhythmus sowie Materialität und Farbig-
keit der Fassade und darüber hinaus Struktur und Materia
lität der Dachdeckung präzisiert. Die städtebauliche Setzung
des Wettbewerbsentwurfes bildet weiter die Basis für die
Entwicklung. Der Museumsneubau orientiert sich typolo-
gisch an seinem südlichen Pendant in der Schlossanlage, dem
Schwaigebau. Die äußeren Abmessungen und die First- und
Traufkanten werden vom Vorgängerbau übernommen. Um
eine für die Museumsnutzung geeignete Gebäudetiefe zu
erreichen, wird die nördliche Innenhoffassade, von außen
nicht wahrnehmbar, in Richtung Innenhof verschoben. Die
öffentliche Zugänglichkeit der Schlosshöfe wird mit dem
Neubau des Naturkundemuseums fortgeschrieben. Zwei Tor-
bögen an den Schmalseiten des Museumshofs greifen ein
vorhandenes Motiv der Schlossanlage auf und ermöglichen
den Durchgang von der Maria-Ward-Straße im Osten in
Richtung Botanischer Garten im Westen. Sie legen damit
auch den Grundstein für eine Achse, die das Schloss über das
Naturkundemuseummit demBotanischen Garten verbindet.
Im Museumshof liegt der Haupteingang zum Museum. Der
Hof ist zugleich der Vor- und Außenbereich des Museums,
in dem das Museum erste Anreize setzen kann und auch ein
geeigneter Ort für ein Café entsteht.
Von besonderem öffentlichen Interesse war die Weiterent-
wicklung der Fassade und der Dachdeckung. Die Fassade des
Neubaus greift nun expliziter die Farbigkeit und Gliederung
der historischen Nebengebäude des Schlosses auf. Im jetzigen
Planungsstadium lehnt sich eine putzähnliche, mineralische
Fassadenoberfläche in einem sehr hellen Farbton an die weiß
verputzten Nebengebäude an. Im Erdgeschossbereich wer-
den durch die innere Neuorganisation großzügige Fenster-
öffnungen möglich, die nun als klarer Rhythmus aus stehen-
WEITERE INFORMATIONEN WWW.BIOTOPIA.NET Der Aufbaustab plant die Organisation,die Ausstellung und den
Betrieb des neuen Museums.Für die Baumaßnahme ist das Staatliche Bauamt München 1 zustän-
dig, für die Architektur das Büro Staab Architekten, Berlin.
den Fensterelementen die Fassade gliedern und in Anlehnung
an die historischen Putzfaschen farbig eingefasst sind. Eine
geschossweise Gliederung der Fassade wird nach Angabe der
Architekten über eine unterschiedliche Rhythmisierung der
Fenster im Erdgeschoss und des Fassadenreliefs im Ober-
geschoss erreicht. Im Innenhof nutzen die Architekten die
Möglichkeit, die Museumsnutzung mit einer großzügigen
Verglasung stärker in den Vordergrund treten zu lassen. Um
die Verwandtschaft zu den anliegenden Dachflächen zu stär-
ken und den Forderungen des Denkmalschutzes entgegenzu-
kommen, planen die Architekten eine mineralische Keramik-
deckung. Diese schrittweise, in enger Abstimmung mit allen
Beteiligten vollzogeneWeiterentwicklung stellt sicher, dass das
Museum– wie bereits zahlreiche vorangegangene Projekte der
Architekten – sensibel auf alle Aspekte des Ortes eingeht und
eines Tages wirken wird, als sei es immer schon dagewesen.
Fazit
Die Menschen vor Ort, die Behörden, die Experten und die
Projektverantwortlichen eint bei der Gestaltung ein gemein-
sames Ziel: Das großartige Ensemble des Nymphenburger
Schlosses und das an die Schlossanlage angrenzende neue
Museum sollen sich auch unter architekturästhetischen Ge-
sichtspunkten gegenseitig befruchten und ein harmonisches
Bild abgeben, das auf eine breite Zustimmung bei der Bevöl-
kerung trifft. Die Gestalter setzen sich daher sehr intensiv
mit den Gedanken und Fragen der Bürgerinnen und Bürger
auseinander. Im Rahmen des Planungsprozesses finden ver-
schiedene öffentliche Informationsveranstaltungen statt.
In den kommenden Jahren sind zudemVeranstaltungen und
Festivals geplant, die schon heute die Vision von BIOTOPIA
zum Leben erwecken. In der Bauzeit soll »kein Tag ohne
Museum« vergehen. So wird es z. B. ein BIOTOPIA Lear-
ning Lab imBotanischen Garten geben, um Programme für
Schulklassen, aber auch Veranstaltungen und kleine Aus-
stellungen während der Bauzeit durchführen zu können.
BIOTOPIA. EXPLORE LIFE!
Dr. Ulrike Rehwagen
, Diplom-Kauffrau und promovierte Kunst-
historikerin, leitet den Aufbaustab des BIOTOPIA-Naturkunde-
museum Bayern.
© Staab Architekten (Stand 09/2017)