

aviso 4 | 2017
GLAUBEN UND GLAUBEN LASSEN
COLLOQUIUM
|30|
Text:
Kay Ehling
Luther-Bilder im Medium
der Kunstmedaille
Luther
imagines 17
Die Ausstellung »Luther imagines 17«
in der Staat-
lichen Münzsammlung in München ist noch bis
1. April 2018 zu sehen. Erschienen ist ein Begleit-
buch mit Essays von Jörg Ernesti (1517. Panorama
eines Jahres), Volker Leppin (Der Thesenan-
schlag. Entstehung und Bestreitung einer Legende),
Alexander Demandt (Reformation ohne Luther),
Martin Wallraff (Luther und Rom. Unscheinbare
Memoriae im Weichbild der Stadt), Manuel
Teget-Welz (Luther-Imago. Cranach im Dienste des
Reformators), Benjamin Sommer (Licht gegen
Finsternis. Das Reformationsjubiläum 1617 am Vor-
abend des Dreißigjährigen Krieges), Wolfgang
Steguweit (Hilaria Evangelica. Numismatisches Re-
formationsgedenken der Ernestiner aus dem
Hause Sachsen im Jahr 1717) und Kay Ehling (Ein
»verworrener Quark«. Goethe und das Dritte
Evangelische Jubelfest in Weimar 1817; Der deut-
scheste der Deutschen. Luther im Krieg 1917).
Im Katalogteil sind ausgewählte Luther-Medaillen
abgebildet und beschrieben.
Im Laufe der letzten 500 Jahre hat sich eine Art
›Kanon‹ von Luther-Festen herausgebildet, an des-
sen Spitze die Erinnerung an Luthers Geburt im
Jahr 1483 und den Thesenanschlag von 1517 steht.
Jedes Zeitalter bringt sein eigenes Luther-Bild her-
vor: Ist der Reformator im 16. Jahrhundert der
gefeierte Propheta Germaniae und »dritte Elias«,
im 17. und 18. Jahrhundert »Lichtbringer« und
»Wiederhersteller der reinen Lehre«, so lädt sich
seine Gestalt im 19. Jahrhundert nationalistisch
auf und wird gleichzeitig zumVorbild für das Bür-
gertum, das ihm in vielen Städten Denkmale setzt.
Die Feiern im Kriegsjahr 1917 heroisieren Luther
als deutschesten der Deutschen. 1983 vereinnahmt
auch die DDR seinen 500. Geburtstag. Schließlich
bestätigt die Feier des Reformationsjubiläums am
31. Oktober 2017 ein Wort Goethes: Die »produk-
tive« Wirkung Luthers hält auch nach 500 Jah-
ren noch an.
In der Ausstellung »Luther imagines 17« in der
StaatlichenMünzsammlung wird der Wandel der
Luther-Bilder imMedium der Kunstmedaille über
die Jahrhunderte hindurch dargestellt. ImUnter-
schied zuMünzen werdenMedaillen nicht für den
Zahlungsverkehr hergestellt, sondern dienen als
Kleinkunstwerke ›für die Hand‹ zur Erinnerung
an besondere Ereignisse.