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aviso 4 | 2017

GLAUBEN UND GLAUBEN LASSEN

COLLOQUIUM

bereich manchmal sogar zu Formen einer »Paralleljustiz«, ist allerdings auch bei

christlichen Osteuropäern oder indischen Hindus überproportional im Vergleich

zur Gesamtbevölkerung anzutreffen.

Die Zuwanderung hat in Bayern indes nicht zu dem Maß an Problemen geführt,

das wir aus manchen anderen Regionen Deutschlands kennen. Insgesamt sind

Muslime gut imArbeitsmarkt wie auch in ihrer sozialen Umgebung verankert und

pflegen ein positives Verhältnis zur Gesamtgesellschaft und zumLand, engagieren

sich in deutschen wie in ausländischen Vereinen und können damit eine wichtige

Brückenbauerfunktion übernehmen. Viele von ihnen sind deutsche Staatsangehö-

rige. Schon deshalb wäre es verfehlt, den Islam und Muslime noch durchweg mit

Migration und Integration in Verbindung zu bringen: Wohin soll man Deutsche

in Deutschland integrieren?

Freilich dürfen bestehende Probleme nicht verschwiegen werden. Das gilt weniger

für den aktuellen Konflikt zwischen der türkischen Regierung und Deutschland.

Er spaltet die türkischstämmige Bevölkerung und beruht weitgehend auf einem

übersteigerten türkischen Nationalismus und der rücksichtslosen Machtgier des

türkischen Präsidenten und seiner Entourage, nicht aber auf religiösen Gegensätzen.

Auch die massiven Kriminalitätsprobleme mit kurdischen oder arabischen Groß-

clans, unter denen Berlin und andere Städte leiden, sind Bayern auch dank einer

konsequenten Sicherheitspolitik weitgehend erspart geblieben; dieses Phänomen

hat seine Ursachen im Übrigen nicht in der Religion. Wir wissen allerdings, dass

eine wichtige Ursache für die Herausbildung krimineller Clanstrukturen im jahre-

langen Ausschluss von Asylbewerbern vom Bildungs- und Arbeitsmarkt bei unsi-

cherer Bleibeperspektive zu suchen ist. Das darf sich nirgends imLand wiederholen.

linke Seite

Kundgebung ›Muslime gegen

Terror und Gewalt‹ in München im

November 2004, veranstaltet von Huelya

Kandemir auf dem Marienplatz in

München.

oben links

Das »Münchenstift« Pflege-

heim »Heilig Geist« am Dom-Pedro-Platz

bereitet sich auf die Aufnahme neuer

Bewohner mit Migrationshintergrund vor.

Das Bild zeigt den Geschäftsführer

des gemeinnützigen städtischen Alten-

heimträgers, Siegfried Benker, im

Gespräch mit Lamia Zubcevic, Mitarbei-

terin eines mobilen Hilfsdienstes für

Senioren 2016.

daneben

Tag der offenen Moschee in

München/Freimann 2003.

unten links

Gastprofessor Murat Cizakca

bei einer Vorlesung an der LMU 2006.

Der Volkswirtschaftler aus Istanbul will Stu-

dierenden der Geschichte und Kultur

des Nahen Orients die islamische Welt

näherbringen.

daneben

Grabstätte im muslimischen

Teil des Münchner Westfriedhofs

2009.

© picture alliance/Sueddeutsche Zeitung