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aviso 4 | 2017

GLAUBEN UND GLAUBEN LASSEN

COLLOQUIUM

Radikalisierung und De-Radikalisierung

Hingegen ist auch Bayern von einer zunehmenden Radikalisierung einer kleinen,

aber gefährlichen Minderheit politischer oder gar gewaltbereiter Salafisten oder

anderer muslimischer Extremisten betroffen. Sie pflegen ein gegenüber anderen

Muslimen wie Nicht-Muslimen extrem intolerantes, ideologisch oft stark vom

Saudi-arabischen Wahhabismus geprägtes Religionsverständnis. Man wird hier

von vielleicht ca. 1000 Personen ausgehen müssen, die aber nur zu kleineren Tei-

len gewaltbereit sind. Die Anschläge von Würzburg und Ansbach dokumentieren

die Gefahren, denen der Freistaat nun durch vielerlei Maßnahmen zur Prävention

und De-Radikalisierung entgegentritt, die noch weiter ausgebaut werden müssen.

Der demokratische Rechtsstaat ist keineswegs wehrlos, sondern darf und muss

sich konsequent denen entgegenstellen, die seine Regeln nicht akzeptieren wol-

len. Dasselbe gilt aber auch für den Schutz der Religionsfreiheit, die nicht nur der

Bevölkerungsmehrheit zusteht.

Bei aller zulässigen, ja notwendigen Kritik an manchen Erscheinungsformen des

Islam ist es wichtig, dem pauschalisierenden und menschenverachtenden Islam-

hass entgegenzutreten, der sich auch in Bayern bei einzelnen Grüppchen manifes-

tiert. Der bayerische Verfassungsschutz hat deshalb erstmals in Deutschland eine

neue Kategorie der verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit eingeführt;

mittlerweile steht auch der Landesvorsitzende der AfDwegen Unterstützung einer

extremistischen, islamfeindlichen Gruppierung unter Beobachtung. Nicht minder

wichtig ist ein fairer Blick auf hiesigeMuslime inMedien und Gesamtgesellschaft:

Islamisches Leben hier unterscheidet sich grundlegend von dem in vielen anderen

Teilen der Welt. Muslime in Deutschland sind nicht für das Unrecht verantwortlich,

links oben

Menschenkette für den Frieden vor

der Moschee in Pasing 2015 nach der

vermutlichen Brandstiftung im Gartenhäus-

chen der Moschee.

daneben

Demonstration bei der Eröffnung der

Moschee in Pfaffenhofen im Juni 2015. Im

Vorfeld wurden gegen Bürgermeister Herker

und den dritten Bürgermeister Dörfler

Morddrohungen ausgesprochen, da diese

den Bau der Moschee befürworteten.

links unten

Muslime und Nicht-Muslime folgten

einem Aufruf der Münchner Imame und

Moscheegemeinden und versammelten sich

vor dem Olympia Einkaufszentrum (OEZ)

zum Totengebet für die Opfer des Amoklaufs.

Im Bild Imam Benjamin Idriz beim Totengebet.

daneben

Islam-Unterricht in deutscher

Sprache im Rahmen eines Modellversuchs für

rund 80 Schulen in Bayern, hier an der

Grundschule in der Keilberthstraße in München.

rechte Seite

Das Museum Fünf Kontinente

zeigt auch zeitgenössische Kunstwerke, die

sich auf die vom Islam geprägte Kultur

beziehen: Lalla Essaydi, »Fumée d’ambre gris«,

New York 2012, Chromofarbdruck,

222 x 180 cm.