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VELTE
Religion ist in der Migrations- und Fluchtdebatte
ein sehr brisantes, konfliktreiches Thema. Hat Sie das aus
persönlichen Gründen interessiert oder war es eher die poli
tische Perspektive darauf?
BICKER
Erstmal hat mich das Thema persönlich interes-
siert, einfach aufgrund meiner Biografie und Sozialisation.
Dadurch ist man natürlich auch empfänglich für die politi-
schen und gesellschaftlichen Zusammenhänge. Seit ich für
das Theater arbeite, ist mir das Thema Religion in unter-
schiedlichen Projekten immer wieder begegnet und durch
die politische und gesellschaftliche Entwicklung ist es zeit-
gleich auch global immer wichtiger geworden.
Als ich den Verantwortlichen amTheater Religion als Thema
vorgeschlagen habe, wurde zwar auch schon darüber disku-
tiert, aber es war noch nicht dieser aufgeheizte, fast hysterische
Diskurs, wie er momentan stattfindet. Deswegen waren die
Reaktionen auf den Vorschlag auch erstmal eher verhalten:
›Religion, naja, ganz interessant, aber muss das jetzt sein?‹
Religion ist immer nochmal etwas anders als Glaube, aber das
wird oft vermischt und verwechselt. Gerade in – wie kann man
das am besten beschreiben? – aufgeklärten, linksliberalen,
oben
Die Augsburger Synagoge,
deren 100-jähriges Jubiläum 2017
gefeiert wurde.
daneben
Der Chorraum der Basilika
St. Alexander und St. Theodor
der Benediktinerabtei Ottobeuren
mit dem romanischen Kruzifix.
rechts
Gebetsraum der Moschee
des Vereins Türkisch-Islamische
Gemeinde München Pasing e.V.