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aviso 4 | 2017

GLAUBEN UND GLAUBEN LASSEN

COLLOQUIUM

Das Gespräch führte

Laura Velte

, Redakteurin des Literaturportal

Bayern.

Björn Bicker

, geboren 1972 in Koblenz, studierte Literatur, Philosophie

und Rhetorik in Tübingen und Wien. Im Anschluss war er als Dramatur-

gieassistent und Dramaturg am Wiener Burgtheater tätig, von 2001 bis

2009 arbeitete er als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen.

Für seine Arbeit (gemeinsam mit Malte Jelden) wurden die Kammerspiele

2010 mit dem Bundespreis für Kulturelle Bildung ausgezeichnet, 2012

erhielt Björn Bicker den Deutschen Jugendtheaterpreis.

Im Verlag Antje Kunstmann erschien 2009 Bickers erstes belletris-

tisches Buch Illegal, 2013 folgte dann Was wir erben, für das er den

Franz-Tumler-Literaturpreis erhielt.

Seit 2009 ist Björn Bicker als freier Autor und Künstler tätig und

schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Prosa und Essays. Für verschiedene

Theater entwickelt und leitet er künstlerische Projekte, die sich

stets an der Schnittstelle von Kunst, Politik und sozialer Praxis bewegen.

Daneben unterrichtet er als Dozent für Dramaturgie, Theatergeschichte

und szenisches Schreiben an verschiedenen Hochschulen.

Die letzten Projekte Björn Bickers: Urban Prayers (MUC) an den Münch-

ner Kammerspielen (2013), Urban Prayers (RUHR) auf dem inter-

nationalen Kunstfestival Ruhrtriiienale (2016), New Hamburg für das

Deutsche Schauspielhaus Hamburg (2014). Gemeinsam mit Malte

Jelden entwickelte Björn Bicker von 2014 bis 2016 das Konversations-

projekt Munich Welcome Theater an den Kammerspielen. 2016 erschien

sein Buch Was glaubt ihr denn. Ur

ban Prayers im Verlag Antje Kunstmann,

für das er den Tukan-Preis der S

tadt München erhielt.

www.bjoernbicker.de

VELTE

Es gibt immer noch viele Menschen, die

in ihrem Alltag nicht mit Themen wie Migration

oder Religion konfrontiert sind, sie nehmen das

gar nicht wahr – außer in denMedien. Das passiert

auch in einer Stadt wie München. Wie können die

Menschen in einer Stadt in so unterschiedlichen

Welten leben?

BICKER

Überspitzt könnte man sagen, das ist eine

Form der Apartheid. Dass das geht, drückt genau

das Problem aus, mit dem wir uns beschäftigen

müssen. Das meine ich mit Segregation in dieser

Gesellschaft: Die Leute leben unter sich. So wie

migrantische Communities unter sich leben, so le-

ben die deutschstämmigen Familien unter sich und

machen sich ihre Bilder von den jeweils anderen.

Da könnte Kunst ganz viel bewirken.

linke Seite

Ein Teilnehmer an der

Lichterkette für Frieden, Toleranz

und Versöhnung unter den

Religionen kniet vor der jüdischen

Ohel-Jakub-Synagoge am

St.-Jakobs-Platz.

oben

Simultankirchen vereinen

Konfessionen: In der Simultan-

kirche Corpus-Christi in Eschen-

felden im Landkreis Amberg-

Sulzbach feiern Protestanten und

Katholiken ihre Gottesdienste.

links

Muslimische Frauen und Män-

ner hielten am 19. Mai 2017 ihr

Freitagsgebet in einem Raum ab,

den ihnen der Jesuitenorden

hinter der Michaelskirche zur Ver-

fügung gestellt hatte, weil die

geplante Demonstration zur Raum-

not der Muslime am Marienplatz

abgesagt wurde.

© picture alliance/Sueddeutsche Zeitung, Foto: Johannes Simon | picture alliance/dpa, Foto: Armin Weigel | picture alliance/Süddeutsche Zeitung, Foto: Stephan Rumpf