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aviso 4 | 2017
GLAUBEN UND GLAUBEN LASSEN
BAYERNS VERBORGENE SCHÄTZE
Professor Dr. Dr. Michael Stolberg
ist Inhaber des Lehrstuhls für Geschich-
te der Medizin in Würzburg und u. a.
ordentliches Mitglied der Deutschen Aka-
demie der Naturforscher Leopoldina.
fänger – die oft nur aus schwer lesbaren
Unterschriften erkennbar sind – iden-
tifiziert, alte Datumsformen aufgelöst
und dergleichen mehr. Mit einem ein-
zigen Suchbefehl kann nun jemand, der
sich beispielsweise für einen bestimmten
Arzt oder Naturgelehrten interessiert,
Briefe von diesem oder an ihn identifi-
zieren, die womöglich in zwei oder drei
Dutzend verschiedenen Einrichtungen
überliefert sind. Einige Tausend Briefe
sind zudem auch mit detaillierten In-
haltsangaben versehen und entspre-
chend verschlagwortet. Solche – leider
sehr zeitaufwändigen – Inhaltsangaben
machen es möglich, auch gezielt Briefe
zu identifizieren, vielleicht nur ein Dut-
zend unter Zehntausenden, in denen
ein bestimmtes Thema, Werk oder Er-
eignis zur Sprache kommt, bestimmte
Krankheiten und Medikamente etwa
oder Überlegungen zur Wahl des Stu-
dienfachs für die eigenen Söhne oder
zu den Qualitäten einer »geeigneten«
Ehefrau. Nachdem die systematische
Suche nach neuen, bislang unbekannten
Briefen 2016 weitgehend abgeschlossen
wurde, kann sich die Projektarbeit in
Zukunft weitestgehend auf die vertiefte
inhaltliche Erschließung der entdeckten
Briefe konzentrieren. Zum geplanten
Projektende 2023 soll fast die Hälfte der
Briefe mit einer Zusammenfassung des
Inhalts versehen sein. Damit eröffnet die
Datenbank Forschern und Forscherin-
nen aus allen historischen Disziplinen –
und allen historisch Interessierten – den
Zugang zu einem virtuellen Gesamtbe-
stand, der weltweit seinesgleichen sucht. Die Datenbank ist unter www.aerzte- briefe.de frei zugänglich. Eine kleineEntdeckungsreise lohnt sich.
rechts
Brief von Johannes Crato an Theodor
Zwinger, Augsburg, 10.8. [vor 1585],
Universitätsbibliothek Basel,
Frey-Gryn Mscr. I 2) Nr. 118.