Pressemitteilung Nr. 35 vom 28.05.2026 Jan Schönherr erhält Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern 2026 für literarische Übersetzerinnen und Übersetzer

Kunstminister Blume: „Literatur spricht viele Sprachen – dank großer Übersetzungskunst. Jan Schönherrs Übersetzung des Romans ‚Julienne‘ macht die literarische Kraft der Autorin Scholastique Mukasonga auch im Deutschen spürbar“

MÜNCHEN. „Das mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern geht in diesem Jahr an den Übersetzer Jan Schönherr für seine Übersetzung des Romans ‚Julienne‘ von Scholastique Mukasonga aus dem Französischen“, wie Kunstminister Markus Blume heute in München bekanntgab. „Literatur spricht viele Sprachen – dank großer Übersetzungskunst Jan Schönherrs Übersetzung des Romans ‚Julienne‘ macht die literarische Kraft der Autorin Scholastique Mukasonga auch im Deutschen spürbar. Er übersetzt nicht nur Sprache, sondern Atmosphäre, Schmerz und Menschlichkeit. Mit großer sprachlicher Feinfühligkeit führt er Leserinnen und Leser durch die bewegende Geschichte der Titelfigur Julienne. Übersetzer wie Jan Schönherr öffnen Türen zu anderen Kulturen und erweitern unseren Blick auf die Welt. Das Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern ist eine verdiente Auszeichnung für diese außergewöhnliche Übersetzungskunst“, so Blume. Die Übersetzung des Romans „Julienne“ der ruandischen Autorin Scholastique Mukasonga soll noch im Jahr 2026 im Claassen Verlag erscheinen. Die in Frankreich vielfach ausgezeichnete Autorin verarbeitet in ihrem literarischen Werk den ethnischen Konflikt in Ruanda auf der Basis ihrer eigenen und familiären Erfahrungen – ein Großteil ihrer Familie wurde 1994 Opfer des Völkermords in Ruanda.

Die Jury würdigte Jan Schönherrs großes übersetzerisches Können: „Mit seiner Übertragung von ‚Julienne‘, dem jüngsten Roman der ruandischen Autorin Scholastique Mukasonga, in dem sie sich anhand der Lebensgeschichte der titelgebenden Julienne wiederum dem Thema der Verfolgung der Tutsi in ihrem Heimatland widmet, zeigt sich Jan Schönherr als äußerst sensibler und genauer Übersetzer, der dem ganz eigenen, zuweilen archaischen, hohen Ton des französischsprachigen Originals gerecht wird. Seiner Version ist große Empathie anzumerken, gleichzeitig arbeitet er durchgehend mit den Mitteln der deutschen Sprache, um eine dem Original entsprechende Wirkung zu erzielen. Damit bringt er uns eine fremde, räumlich wie zeitlich fern anmutende Welt unerwartet nah und schickt uns auf eine literarische Reise von Ruanda über Burundi und Zaire/Kongo bis nach Belgien.“

Jan Schönherr (geb. 1979 in Weingarten) lebt in München, wo er Literatur und Sachtexte aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Rumänischen übersetzt. Für seine Übersetzungen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2016 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und 2022 mit dem Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern für literarische Übersetzerinnen und Übersetzer. Schönherr ist Mitorganisator der Jahrestagung der Übersetzerverbands VdÜ und Zweiter Vorsitzender des Münchner Übersetzer-Forums. Er hat u. a. Werke von NoViolet Bulawayo, Jack Kerouac und Chimamanda Ngozi Adichie übersetzt. Im Claassen-Verlag bereits erschienen sind seine Übersetzungen von Mukasongas Romanen „Kibogos Himmelfahrt“ und „Sister Deborah“.

Das Arbeitsstipendium des Freistaates Bayern für literarische Übersetzerinnen und Übersetzer

Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vergibt seit 2009 jährlich ein Arbeitsstipendium für ein Übersetzungsvorhaben, um die bedeutende kulturelle Leistung der literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer zu würdigen, die die Literatur anderer Sprachen für den größten Teil der Leserschaft erst zugänglich macht. Das Arbeitsstipendium soll es einer literarischen Übersetzerin bzw. einem literarischen Übersetzer ermöglichen, sich einem Übersetzungsvorhaben ohne wirtschaftlich-materiellen Zwang zu widmen. Über die Vergabe des Stipendiums entscheidet der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst auf Vorschlag einer Jury, die die eingereichten Eigenbewerbungen prüft. Das Arbeitsstipendium ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit dem Übersetzerstipendium des Freistaats Bayern wurden u. a. Rosemarie Tietze, Àxel Sanjosé, Tanja Handels und Kristina Kallert ausgezeichnet. Der Jury gehören derzeit folgende Mitglieder an: Patricia Klobusiczky, Andrea O’Brien und Thomas Weiler.

Die Verleihung des Arbeitsstipendiums an Jan Schönherr findet am 20. Juli 2026 im Literaturhaus München statt. Abgerundet wird die Ehrung durch eine Lesung und ein Werkstattgespräch zwischen Jan Schönherr und der Übersetzerin und dem Jurymitglied Andrea O’Brien über das ausgezeichnete Übersetzungsvorhaben. Im Anschluss lädt Kunstminister Blume zum Empfang. Die Veranstaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Münchner Übersetzerforum und dem Literaturhaus München.

Helena Barsig, Sprecherin, 089 2186 1829

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