Pressemitteilung Nr. 094 vom 01.08.2018 Kunstministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle gibt die Bayerischen Kunstförderpreisträger 2018 in der Sparte „Bildende Kunst“ bekannt - „Große Bandbreite der jungen Bildenden Kunst in Bayern“

MÜNCHEN. Bayerns Kunstministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle hat heute die Preisträger des „Bayerischen Kunstförderpreises 2018“ in der Sparte „Bildende Kunst“ bekannt gegeben. Die mit je 6.000 Euro dotierten Auszeichnungen in dieser Sparte gehen an:

  • Claudia Barcheri aus München
  • Sebastian Dacey aus Uffing am Staffelsee
  • Sophia Süßmilch aus München
  • Benjamin Zuber aus Fürth

Den diesjährigen Spezialpreis „Künstler als Kuratoren“, dotiert mit 9.000 Euro, teilen sich die Künstlergruppen Easy!upstream aus München (Niko Abramidis, Susi Gelb, Quirin Brunnmeier), Prince of Wales aus München (Leo Lencsés, Jonas von Ostrowski) sowie Edel Extra aus Nürnberg (Susanne Wohlfart, Lilly Urbat, Claudia Holzinger).

„Die bemerkenswerten Positionen unserer jungen Künstlerinnen und Künstler zeigen die große Bandbreite der jungen Bildenden Kunst in Bayern“, sagte Kunstministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle bei der Bekanntgabe der von einer unabhängigen Jury vorgeschlagenen Preisträger. „Besonders freut mich, dass wir in diesem Jahr auch erstmalig die kuratorische Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern auszeichnen. Diese ist für die Künstler mit erheblichen persönlichen und oftmals finanziellen Aufwand verbunden, gleichzeitig jedoch von unschätzbarem Wert für die junge Kunstszene und ihre Vernetzung.“

Der Freistaat Bayern verleiht in jedem Jahr bis zu 16 Kunstförderpreise. Der Bayerische Kunstförderpreis in der Sparte Bildende Kunst soll Anerkennung für das bisherige künstlerische Wirken der jungen Künstlerinnen und Künstler sein und Ansporn für ihr künftiges Schaffen. Die Preisträger müssen durch herausragende Leistungen und außergewöhnliche künstlerische Begabung hervorgetreten sein. Voraussetzung ist ferner, dass die ausgezeichneten Nachwuchskünstler ihre Ausbildung abgeschlossen haben, in Bayern leben, hier ihren Schaffensmittelpunkt haben und höchstens 40 Jahre alt sind. Die Preisverleihung des diesjährigen „Bayerischen Kunstförderpreis“ findet am 6. November 2018 in der Hochschule für Fernsehen und Film in München statt.

 

Informationen zu den einzelnen Preisträgerinnen und Preisträgern der Sparte „Bildende Kunst“ für den „Bayerischen Kunstförderpreis 2018“:

 

Claudia Barcheri

Claudia Barcheri wurde 1985 in Bruneck, Südtirol, geboren. Nach einem Studium an der Academia di Belle Arti di Bologna von 2004 bis 2006 studierte sie von 2008 bis 2012 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Raster, Gitter, Liniennetz, diese elementaren Strukturen, fand und benutzt die Bildhauerin seit längerem in vielfältigen Erscheinungsformen für ihre raumbezogenen Arbeiten. So umspielt und modifiziert sie z.B. in der Werkserie „Acqua alta“ ausgehend vom getarnten Rastercode auf der Rückseite ihres Personalausweises dieses grafische Gebilde mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. In den dabei entstandenen Textildrucken, Wandzeichnungen, Netzinstallationen und Objekten gelingt es der Künstlerin – so die Jury - einer luziden gedanklichen Konzeption auch in der materiellen Realisierung einen überzeugenden, sinnlich-ästhetischen Ausdruck zu verleihen.

 

Sebastian Dacey

Sebastian Dacey wurde 1982 in London geboren. Er studierte am Wimbledon College of Art in London und von 2002 bis 2008 an der Akademie der Bildenden Künste München. Die Malereien von Sebastian Dacey sind in vielerlei Hinsicht überraschend, vielleicht vor allem wegen der Tatsache, dass es sich durchwegs um Ölbilder handelt.  Denn seine Motive – von den frühen Ballons, über abstrakte Formen, Körperteile wie Hände oder Köpfe, bis hin zu Tieren und den in letzten Jahren Pflanzen- bzw. Blattmotiven – evozieren in ihrer Malweise eine große Nähe zu grafischen bzw. drucktechnischen Verfahren. Sie sind reduziert auf schlichte Umrisse, flächig-monochrom ausgemalt, jede Tiefe des Bildraumes verneinend. Die Jury würdigte seine sehr präsenten Arbeiten: abstrakt bemalte mehrlagige Bildobjekte, die eine besondere Sprache von Mystik und Mythologie sprechen.

 

Sophia Süßmilch

Sophia Süßmilch, geboren 1983, studierte von 2006 bis 2015 an der Akademie der Bildenden Künste München Freie Kunst, unterbrochen 2011 bis 2012 durch einen Studienaufenthalt an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Sophia Süßmilch definiert sich als Bildhauerin und Performance-Künstlerin, deren Arbeiten auf der Wahrnehmung von physischen und psychischen Grenzen basieren. Die Haut ist daher das Sinnesorgan mit dem sie ihre Umgebungen und Themen spüre und leibhaftig untersuche, so die Jury. Schlüssigerweise werde Nacktheit zum Medium, um den eigenen Grenzgang darzustellen. Arbeiten wie in ihrer Diplomarbeit  „Fettecke“, in der sie sich in einer Ecke „reinbuttern“ ließ oder die Videoarbeit „Mutterliebe“ in der sie ihre Mutter säugt und schließlich sagt: „Meine Mutter braucht viel Liebe“ belegen das eindringlich. Die Jury würdigte die Direktheit, mit der die Künstlerin auf frohe Weise Tabus breche. Unmittelbarkeit, der Einsatz mit ihrem ganzen Sein, und das zu jederzeit, zeichne das Werk von Sophia Süßmilch aus.

 

Benjamin Zuber

Benjamin Zuber, geboren 1982, studierte von 2004 bis 2011 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg mit Studienaufenthalten an der Akademie der Bildenden Künste Wien und an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Benjamin Zuber fällt seit Jahren durch internationale Projekte und eine sehr aktive Ausstellungstätigkeit auf und hat in dieser Zeit ein komplexes und vielschichtiges Werk geschaffen, das er kontinuierlich um neue Aspekte erweitert. Zuletzt waren es vor allem filmische Arbeiten und Installationen, in denen Benjamin Zuber eine ganz eigene Sprache der De- und Rekonstruktion zeitgenössischer aber auch hochgradig subjektiver Fragestellungen entwickelt hat. Die Jury würdigte insbesondere das Wechselspiel aus konzeptueller Schärfe und ästhetischer Intuition, das seine Arbeiten auszeichne.

 

 

Easy!upstream, Prince of Wales, Edel Extra

Der diesjährige Spezialpreis „Künstler als Kuratoren“ geht an die drei Künstlergruppen easy!upstream, Prince of Wales und Edel Extra. Mit der Auszeichnung von drei Künstlergruppen wollte die Jury ihre besondere Wertschätzung für die kuratorische Arbeit gerade auch von jungen Künstlerinnen und Künstlern unterstreichen.

Die Künstlergruppe easy!upstream, bestehend aus den Künstlern Niko Abramidis (Jahrgang1987), Susi Gelb (Jahrgang 1985) sowie Quirin Brunnmeier (Jahrgang 1983), arbeitet seit 2015 zusammen und hat in dieser Zeit in wechselnden Räumen Münchens zahlreiche, insgesamt 41 Einzelausstellungen verschiedener Künstler organisiert. Ziel der Ausstellungstätigkeit ist die Präsentation und Förderung von zeitgenössischen Kunsttendenzen, gleichzeitig sollen die Projekträume vor allem auch als Treffpunkt für Künstler, Kuratoren, Sammler und kunstaffine Münchner dienen. Die Arbeit von easy!upstream stelle damit – so die Jury - eine wertvolle Bereicherung für die Kunstszene ich München dar. Susi Gelb hat von 2006 bis 2014 an der Akademie der Bildenden Künste München studiert. Niko Abramidis hat ebenfalls an der Kunstakademie München studiert (2009-2014). Quirin Brunnmeier ist Betriebswirt und Künstler, zuletzt studierte er von 2013-2015 an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) im Aufbaustudiengang Kulturkritik.

Bei den Künstlern Jonas von Ostrowsky, geb. 1981, und Leo Lencsés, geb. 1984, handelt es sich um zwei von zuletzt vier Mitgliedern des Künstlerkollektivs Prince of Wales, das bis August 2017 aktiv war (weitere Mitglieder waren: Nigin Beck, Andreas Chwatal, Johannes Tassilo Walter, Josef Knoll). Prince of Wales wurde im Frühjahr 2011 von vier Kunststudenten als "Waschküche für Kunst, Ästhetik und Poesie" gegründet. Im kleinen freistehenden Haus im Hinterhof der Ohlmüllerstraße 17 in München wurden seitdem zahlreiche Ausstellungen gezeigt, Performances, Lesungen, Konzerte, Reden und Seminare gehalten, Publikationen veröffentlicht und Kooperationsprojekte mit Kuratoren, Verlagen, anderen Ausstellungsräumen und Galerien realisiert. Prince of Wales verstand sich selbst als unabhängiger Raum der Kunstproduktion. Die Künstler Jonas von Ostrowsky und Leo Lenscés arbeiten auch heute noch an gemeinsamen Projekten. Die Jury hob insbesondere den hohen ästhetischen Anspruch des stringenten kuratorischen Programms hervor.

Die Künstlergruppe Edel Extra, bestehend aus den drei Künstlerinnen Susanne Wohlfart (Jahrgang 1989), Claudia Holzinger (Jahrgang 1985) und Lilly Urbat (Jahrgang 1988), zwei Grafikdesignerinnen und einer Fotografin, bilden den bekanntesten künstlerischen off-space in Nürnberg. Hier verzahnen sich Kunst und kuratorische Arbeit nach Auffassung der Jury in besonderer Weise. Mit Edel Extra wurde ein wichtiger, alternativer Ort für die Kunstszene in Nürnberg geschaffen. Die Jury würdigte insbesondere ihre installativen, performativen Formate und das lebendige Programm.

 

Für Ihre Berichterstattung vermitteln wir gerne den Kontakt zu den Preisträgerinnen und Preisträgern.

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